Klassiker in neuem Klanggewand

Begeisterter Applaus und Jubelrufe für Johannes Baumann und das Hohner-Akkordeonorchester 1927
Beim Jahreskonzert im bestens besuchten Dr.-Ernst-Hohner-Konzerthaus verstanden es die Musiker, ihr Publikum zu fesseln und zu überzeugen.

Klassische sinfonische Literatur arrangiert für Akkordeonorchester – für jeden Dirigenten ist das eine ganz besondere Herausforderung. Schließlich gilt es, in Klangfarben, Dynamik und Ausdruck eine Interpretation zu erreichen, die das
Wesen des Originals bestmöglich bewahrt und dem Zuhörer zu vermitteln
vermag. Johannes Baumann versteht sich hervorragend auf diese hohe Kunst,kannerdocheinen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz vorweisen:
Nicht nur mit dem Akkordeon als Soloinstrument, in Ensembles und Orchestern – der Künstler hat sich gleichzeitig als Dirigent von Blasorchestern
einen Namen gemacht und auch mit sinfonischen Besetzungen
gearbeitet. Die versierten Musikerinnen und Musiker des Hohner-Akkordeonorchester 1927 haben in ihm seit über zwei Jahrzehnten einen kollegialen und leidenschaftlichen Dirigenten, dem die Musik im besten Sinne
des Wortes ein Herzensanliegen ist, einen Kapellmeister, der das Wesen
einer Komposition weitaus mehr emotional als analytisch-intellektuell erfasst. Einmal mehr konnten das Musikfreunde aus Trossingen und der
gesamten Region am Samstagabend beim Jahreskonzert des fast 90 Jahre
alten Traditionsorchesters im Dr.-Ernst-Hohner-Konzerthaus erleben.
Die Musiker überzeugten ihr Publikum mit sehr guten Bearbeitungen
klassischer Kompositionen wie der Ouvertüre zu Carl Maria von Webers
hochromantischer Oper „Der Freischütz“, Leonard Bernsteins „Mambo“
aus der legendären „West Side Story“ oder der mitreißenden
Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss Sohn. Johannes
Baumann und seine Akkordeonisten und Schlagzeuger setzten
Akzente, die aufhorchen ließen und diese Klassiker in neuem Klanggewand
zu einem stimmungsvollen Erlebnis machten. Fast noch mehr galt
das bei den Originalschöpfungen für Akkordeonorchester: Friedrich Haags
heiter-melancholischer Komposition „Rhapsodischer Walzer Nr. 1“ etwa. In
Sachen Dynamik und Ausdruck nicht weniger anspruchsvoll auch die zweite
Originalschöpfung des Abends– die seelenvollen, spätromantischen „ReisebildervomBalkan“ vonHansBoll.


Willkommener und gefeierter musikalischer Gast an diesem Abend war
das quirlige und virtuose Saxofon-Ensemble mit dem schwäbisch-doppelsinnigen Namen „Sax Wie’s Isch“. Die vier Künstler DinahKuhn, WernerKiefer, Ralf Vosseler und Wolfgang Wössner beflügelten ihr Publikum mal „seriös“, mal komödiantisch mit den unterschiedlichstenArrangements.

Mit einem gelungenen Arrangement von Amilcare Ponchiellis Ballettmusik
„Tanz der Stunden“ aus der Oper „La Gionda“ beendeten Johannes
Baumann und sein Orchester heiter- besinnlich bis temperamentvoll beschwingt den offiziellen Teil ihres Jahreskonzertes. Der Beifall des hingerissenen Publikums war überwältigend, die Musiker bedankten sich mit
mehreren Zugaben, ehe schließlich ein hervorragendes Akkordeonorchester
und ein exzellenter Dirigent mit Sir Edward Elgars weltbekanntem
MarschNr. 4 aus „Pomp and Circumstance“ den Abend erhebend ausklingen
ließen.

Südwestpresse/ Die Neckarquelle vom 9.3.2015, Alfred Thiele