Ein Kind bringt das Konzerterlebnis auf den Punkt: „boah!“

Das Jahreskonzert des Hohner-Akkordeon-Orchesters 1927 endet mit stehendem Applaus für die MusikerDas Hohner-Akkordeon-Orchester 1927 aus Trossingen freut sich schon auf seinen Auftritt in Innsbruck.

Von Silvia Müller, Trossingen

Das Jahreskonzert des Hohner-Akkordeon-Orchesters 1927 ist für Kenner der Szene zu einem ganz besonderen Genuss geworden. Es stand ganz und gar unter dem Einfluss des am 10. Mai in Innsbruck stattfindenden Konzerts, das unter dem Motto „Akkordeon International“ steht.

Vom 9. bis 12. Mai trifft sich die Harmonikawelt in Innsbruck zu einem internationalen Festival. Aus diesem Grund sind bereits jetzt mehrere Akkordeon-Musiker aus anderen Orchestern nach Trossingen gekommen, um an diesem Konzert teilzunehmen.

Dementsprechend anspruchsvoll gestaltete sich auch das Programm des Konzerts. Einige Stücke wurden von diesem Orchester in diesen Arrangements zum ersten Mal gespielt. Die Zuhörer waren so konzentriert, dass zwischen den einzelnen Takten des Orchesters nichts, aber auch gar nichts zu hören war. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören. Und in diese Stille hinein machte ein kleines Kind, das seine Eltern begleiten durfte, seiner Begeisterung Luft mit dem Ausruf: „boah!“ An diesem Punkt ging dann doch ein leises Lachen durch das Publikum und selbst Dirigent Johannes Baumann musste schmunzeln.

Mit der Darbietung wurde unbeirrt fortgefahren. Und das mit faszinierender Perfektion. Ob das Orchester ein Stück spielte, das getragen oder ruhig, langsam oder schnell, dramatisch oder leicht vortrug – stets geschah es in bester Harmonie zwischen Orchester und Dirigent. Die Phantasie des Zuhörers anregend, wie etwa bei den „My Fair Lady Melodien“. Man sah förmlich vor dem geistigen Auge, wie sich Eliza Doolittle mit diesem berühmten Satz „es grünt so grün, wenn Spaniens blühten blühen“ abmühte.

Nach der Pause erfreute Alexander Cargnelli die Gäste im Konzerthaus mit seinem Soloauftritt. Gerade einmal 27 Jahre jung, ist er bereits seit einigen Jahren ein international anerkannter Musiker, dessen Laufbahn mit dem Studium in Trossingen begann. Auch sein Vortrag war atemberaubend. Nur nach zwei Zugaben ließen ihn die Gäste von der Bühne gehen.

Dann war es noch einmal das Hohner-Akkordeon-Orchester, das zu den letzten Stücken aufspielte. Im Abschlussstück, dem berühmten „Säbeltanz“ von Aram Chatschaturjan übertrafen die Musiker sich selbst. Absolut perfekt und so temperamentvoll, dass Alexander Cargnelli, der sich ins Publikum gesetzt hatte, lautstark „Bravo“ rief und die Zuhörer förmlich tobten. So war es dann auch nicht verwunderlich dass das Publikum zum Teil stehend applaudierte. Nach dem Konzert gab es die Möglichkeit, noch im Konzerthaus zu verweilen und sich mit den Musikern zu unterhalten.

(Erschienen: 10.03.2013 Schwäbische Zeitung - Trossingen)